• ABSURD LAUT CAMUS
    „Über die Zwecklosigkeit und ihren Nutzen“

    Wie geht das, in verrückten Zeiten nicht verrückt zu werden, sondern entschlossen zu handeln?

    Unter dem Eindruck galoppierender politischer Rückschritte und persönlicher Rückschläge stellt sich die Gruppe pulp.noir die existenzielle Frage, ob es nicht absurd ist, mit vollem Einsatz gegen die Zwecklosigkeit anzurennen. – Klar ist es absurd! Denn laut Albert Camus ist am Ende tatsächlich alles zwecklos. Doch das hat auch Vorteile: Wenn wir uns der Zwecklosigkeit bewusst sind, dann zählt nicht das Ziel, sondern allein unser Handeln im Hier und Jetzt. Und wenn dies das einzige ist, was wir mit Sicherheit haben, werden wir ohne Zögern jederzeit alles geben.

    Das heisst die Spoken Word-Performerin, die Videokünstlerin und die drei Jazzmusiker bemühen sich letztlich zwar vergeblich, wenn sie auf der Bühne zwecks Dekonstruktion eine absurde Welt des Verfalls erschaffen. Doch die Lebendigkeit, mit der sie sich gegen das Scheitern auflehnen, wiegt die Zwecklosigkeit bei weitem auf.

    Technische Angaben:
    Das Projekt kann in verschiedenen Formaten gespielt werden – ob Kunstraum, Konzertbühne oder Theateraum ist fast alles möglich.

    Zeitraum:
    ab November 2019 – open End

    DEFINITIV:
    12. und 13. November: Kunstraum Walcheturm Zürich
    21. November: Lange Nacht der Philosophie, Photobastei
    06. Dezember: Postremise Chur
    11. Dezember: Stanzerei Baden
    30.4. und 2.5.20: Tojo Theater Bern

    PERFORMERINNEN
    Stimme: Meret Hottinger
    Gitarren: Eric Hunziker
    Keyboards: Luzius Schuler
    Schlagzeug: Paul Amereller
    Sounddesign/Mix: Thomas Winkler/Simon Huber
    Video: Julia Maria Morf

    Komposition: Thomas Fischer
    Produktion: pulp.noir

  • ABSURD LAUT CAMUS von pulp.noir

    Spoken Word・Industrial Jazz・Expanded Video

    ÜBER DIE ZWECKLOSIGKEIT UND IHREN NUTZEN

    Es ist beunruhigend, wie zur Zeit vieles, was wir für unumstösslich hielten, ins Wanken gerät. Rechtspopulistische Strömungen untergraben die westlichen Demokratien, der neue Nationalismus und Protektionismus zersetzen starke Bündnisse und zementieren alte Mauern, und nur bei der Privatheit geht der Trend in die andere Richtung: ein offenes Buch sollen wir sein, bis wir perfekt überwachbar sind wie in George Orwells totalitärer Welt von 1984.

    Eine Zeit lang schien es im Westen aufwärts zu gehen. Unter dem Eindruck der grossen Krisen und Kriege des 20. Jahrhunderts wurde ernsthaft versucht, vieles besser zu machen, auch vieles gemeinsam zu machen. Umso unbegreiflicher und frustrierender sind die aktuellen Entwicklungen. Dass sich weitherum eine pessimistische Stimmung breitmacht, zeigt zwar, dass vielen Menschen die galoppierenden Rückschritte nicht gleichgültig sind; doch der Pessimismus wirkt lähmend und hemmt das entschlossene Handeln. Und auch die blosse Empörung und die Wut helfen nicht viel weiter, sondern lähmen den nötigen Dialog.

    Optimismus und Engagement an den heutigen Tag zu legen, fällt aber tatsächlich nicht ganz leicht. Wie sollen wir an den Erfolg unseres Handelns glauben, wenn wir erleben, wie schnell langwierige Bemühungen zunichte gemacht werden? Und genau genommen sind wir ja fast täglich mit Rückschlägen konfrontiert: Ein dummer Zufall oder ein kleiner Fehler genügen, und schon ist wieder eine Anstrengung umsonst. Und irgendwann überkommt eine*n das absurde Gefühl, dass wir die ganze Zeit über Ziele verfolgen, die wir nie erreichen. – Sollen wir es gar nicht mehr versuchen? Oder sollen wir uns trotzdem weiter anstrengen?

    Wie umgehen mit dem Gefühl der Zwecklosigkeit? Diese Frage stellten sich im Zuge des Zweiten Weltkriegs auch existenzialistische Denker*innen wie Albert Camus oder Simone de Beauvoir. Es war eine Zeit extremer Ideologien und Bedrängnisse, und als einzige Antwort kam für sie das unbedingte Engagement in Betracht. Natürlich stehen wir heute nicht am gleichen Punkt, doch die Ideologien und Bedrängnisse kehren zurück. Darum scheint eine Auseinandersetzung mit den Existenzialist*innen zweckvoll – auch wenn laut Camus am Ende alles zwecklos ist.

    Zum Glück geht der Gedanke aber noch weiter: Wenn wir uns der Zwecklosigkeit bewusst sind, dann zählt nicht das Ziel, sondern allein unser Handeln im Hier und Jetzt. Und wenn dies das einzige ist, was wir mit Sicherheit haben, dann werden wir es voll ausschöpfen, und uns folglich nicht weniger anstrengen sondern mehr. Kurz und verkürzt gesagt geht es also darum, dass wir a) heute handeln, und dass wir b) mit voller Kraft handeln.

    MIT VOLLER KRAFT GEGEN DIE ABSURDITÄT

    In dieser Performance geht alles in die Brüche oder verändert sich sonst wie zum Schlechten. Bauwerke verfallen zu Ruinen, fröhlich glucksende Babys regredieren zu murrenden Greisen, und auch die Musik ist bald nicht mehr das, was sie einmal war. Denn auf lange Sicht geht es mit allem abwärts; das können wir nicht ändern. Aber wie es den Bach runtergeht, können wir beeinflussen. Als erste Massnahme gilt für diese Performance darum, dass sich die Zwecklosigkeit nicht in Schwarzmalerei erschöpft, sondern in Form von Kunst, genauer gesagt in Form von möglichst fantasievollen Metamorphosen.

    Aus Musik, Wort und Video erschaffen die fünf Performer*innen eine absurde Welt des Verfalls und des Scheiterns, die gleichzeitig ihre eigene ist und sie multimedial umgibt. Und obwohl sie jederzeit von der Bühne abgehen könnten, spielen sie unbeirrt weiter. Denn Aufgeben kommt für sie nicht in Frage, diesen Triumph gönnen sie der Zwecklosigkeit nicht – und setzen ihr stattdessen eine kämpferische Jetzt-erst-recht-Haltung entgegen. Auflehnung heisst die Losung: Zwar rollt der Stein wie bei Sisyphos immer wieder ins Tal, doch erheben sie sich wie ein Phönix immer wieder aus der Asche.

    Laut Camus findet das Leben nicht in der Zukunft statt, und schon gar nicht nach dem Tod. Darum fordert er Lebendigkeit, Intensität und Freiheit im Hier und Jetzt. Das sind Attribute, die auch der Jazzmusik zugeschrieben werden. Doch während der Jazz der 40er und 50er Jahre für damalige Ohren eine kämpferische Note hatte, benötigt es zur Auflehnung heute mindestens Industrial Jazz: Ein Gitarrist, ein Keyboarder und ein Schlagzeuger werden sich jedenfalls grosse Mühe geben, eine lebendige und intensive Musik zu spielen, auch wenn sie immer wieder zusammenbricht und auseinanderfällt. Und ähnlich wird es ihren Solos ergehen, wenn zum Beispiel der Klang der E-Gitarre im Lärm eines Düsenjets untergeht.

    Wohlklang, der sich in Geräusch auflöst – dieses Schicksal kann auch der Stimme widerfahren, etwa wenn sie ins Schreien kippt. Doch der Fokus liegt auf der gesprochenen Sprache, und zwar in Form von Textmetamorphosen: Die Spoken Word-Performerin referiert nicht über das Thema, sondern setzt es in kurzen Texten um, die alle eine negative Wendung nehmen. Die Kunst wird sein, dass der Abend trotzdem nicht dunkel wird, sondern zugleich lyrisch und kämpferisch und spontan wie eine Jazzimprovisation.

    Die Video-Performerin ist die fünfte Kämpferin im Bunde. Wie bei den anderen verkehrt sich unter ihren Händen Positives in Negatives und Ordnung in Chaos, ohne dass sie darüber
    verzweifelt. Vielmehr entsteht unter vollstem Einsatz ein Expanded Video-Environment: Räume, die sich laufend verändern und die Performer*innen umgeben; und ebenso Figuren, Objekte und Schriften, die sich surreal verwandeln. Zur Anwendung kommen dabei mehrere transparente Videoscreens, die auf der Bühne verteilt sind und durchsichtig bleiben, solange nicht darauf projiziert wird. Und die sehr zahlreichen Videoloops, die teils auf selbst gefilmtem Material und teils auf Found Footage basieren, werden live zu Collagen gemischt.


  • DEMO CLIPS: ABSURD LAUT CAMUS

    CLIP 1

    CLIP 2

    CLIP 3

    Aufgenommen am 10. Februar 2019

    PERFORMERINNEN
    Stimme: Martina Brümmer
    Gitarren: Eric Hunziker
    Keyboards: Vincent Membrez
    Schlagzeug: Fred Bürki
    Sounddesign/Mix: Thomas Winkler
    Video: Julia Maria Morf

    Komposition: Thomas Fischer
    Produktion: pulp.noir
    Technik: Simon Huber

    Beispiele aus der vorangegangenen Produktion:

    PLATO’S CAVE
    Sound_Wort_Video Performance

    Aufzeichnung vom 22.01.17, Kunstraum Walcheturm, Zürich

  • Technische Angaben:
    Das Projekt kann in verschiedenen Formaten gespielt werden – ob Kunstraum, Konzertbühne oder Theateraum ist fast alles möglich.

    Beispiel Kunstraum

    Beispiel Konzertbühne

Beispiel Installation