• ABSURD LAUT CAMUS
    Industrial Jazz_Spoken Word_Expanded Video

    12. und 13. November, 20:30: Kunstraum Walcheturm Zürich
    21. November, 20:00: Lange Nacht der Philosophie, Photobastei Zürich
    06. Dezember, 20:00: Postremise Chur
    11. Dezember, 20:15: Stanzerei Baden
    1. & 2. Oktober, 20:30 und 4. Oktober 19:00, Tojo Theater Bern
    4. – 13. März 2021, Eisenwerk Frauenfeld

    info@pulpnoir.ch
    079 476 55 68

  • ABSURD LAUT CAMUS
    multi-art Performance über die Zwecklosigkeit und ihren Nutzen

    Wie geht das, in verrückten Zeiten nicht verrückt zu werden, sondern entschlossen zu handeln?

    Unter dem Eindruck galoppierender politischer Rückschritte und lähmender persönlicher Rückschläge stellt sich die Gruppe pulp.noir die existenzielle Frage, ob es nicht absurd ist, mit vollem Einsatz gegen die Zwecklosigkeit anzurennen. – Klar ist es absurd! Denn laut Albert Camus ist am Ende tatsächlich alles zwecklos. Doch das hat auch Vorteile: Wenn wir uns der Zwecklosigkeit bewusst sind, dann zählt nicht das Ziel, sondern allein unser Handeln im Hier und Jetzt. Und wenn dies das einzige ist, was wir mit Sicherheit haben, werden wir ohne Zögern jederzeit alles geben.

    Das heisst, die Videokünstlerin, die Spoken Word-Performerin und die drei Jazzmusiker bemühen sich letztlich zwar vergeblich, wenn sie auf der Bühne zwecks Dekonstruktion eine absurde Welt des Verfalls erschaffen. Doch die Lebendigkeit und Intensität, mit der sie sich gegen das Scheitern auflehnen, wiegen die Zwecklosigkeit bei weitem auf.
     

    Kunstraum Walcheturm Zürich, 12. & 13. November 19, 20:30
    Photobastei – Lange Nacht der Philosophie zürich, 21. November 19, 20:00
    Postremise Chur, 6. Dezember 19, 20:00
    Stanzerei Baden, 11. Dezember 2019, 20:15
    Tojo Theater Bern, 1. & 2. Oktober, 20:30 und 4. Oktober 19:00
    Eisenwerk Frauenfeld, 4. – 13. März 2021

    Von und mit:
    Julia Maria Morf [Expanded Video]
    Meret Hottinger [Spoken Word]
    Eric Hunziker [E-Gitarre]
    Luzius Schuler [Keyboards]
    Paul Amereller [Schlagzeug]
    Maja Luthiger, Lavdrim Dzemailji [Onscreen Performance]
    Simon Huber, Thomas Winkler [Sounddesign]
    Thomas Fischer [multi-art Komposition]

    Produktion: pulp.noir

    Wir danken herzlich für die Unterstützung:
    Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Migros Kulturprozent, SUISA-Stiftung für Musik, Schweizerische Interpretenstiftung, Georges und Jenny Bloch Stiftung, Kulturförderung Kanton Bern, Burgergemeinde Bern, ALIVE, Förderverein pulp.noir

  • Fotos von Max Roth

  • Live Clip 1

    Live Clip 2

    Live Clip 3

    Live Clip 4

    Live Clip 5

    Live Clip 6

    Aufzeichnung vom 13.November 2019, Kunstraum Walcheturm Zürich

  • Zweckbefreites und zweckloses Handeln sind nur dem Namen nach verwandt. «Absurd laut Camus» nennen pulp.noir ihre multimedial-instrumentale Suche nach dem Sinn.

    Lärm kann stören. Stille auch. Kunst kann stören. Freiheit auch. Wo liegt
    jetzt da die Schnittmenge, wenn nicht im Aufsatz des Existenzi- alisten Albert Camus über Sisy- phos, worin er reklamiert, ihn sich als glücklichen Menschen vorstellen zu müssen. Absurd? Jein. Dialektisch! Bald achtzig Jahre und allerlei hierhin ge- schwappte fernöstliche Weis- heiten später ist sogar Camus nur mehr schwer als allbefreien- der Leitfaden zur Erringung ei- nes individuell alles durchdrin- genden Glücks dienlich. Also: Hinterfragen, zerpflücken, neu arrangieren, ergänzen, umdre- hen, wälzen. Diesen Akt stellen pulp.noir in fünf oder acht oder unbegrenzt wiederkehrenden Versuchsanordnungen optisch und akustisch dar. Der Wissens- durst ist darin als ähnlich um- fassend wie die Verzweiflung erkennbar. Antworten müssen her. Oder besser: die Antwort. Einfach tun ist durchs ganze Band dieses wild mäandernden Abends als ziemlich befriedi- gend erkennbar. Das Suchkon- zept von trial and error strengt an, gerade wenn das Tun in Echtzeit auf dessen Tauglich- keit hin reflektiert werden will. Also nochmals von vorn. Dies- mal aber anders. Und doch im- mer wieder gleich. Projektio- nen, Musik, Text. Stille, Leere, Zeit. Musik, Projektionen, Text.
    pulp.noir
    Reizüberflutung, Gleichzeitig- keit, Hast. Text, Musik, Projek- tionen. Aus der Perspektive der Kunstherstellung, wie das pulp. noir nunmehr seit 15 Jahren in der freien Szene Zürichs macht, ist die Infragestellung von Sinn und Zweck immanent. Ein glücklicher Hungertod bleibt im Resultat suboptimal. Einmal da- mit abgefunden, dass Kunst und Manna einander bei ausneh- mend freigeistigem Umgang mit beidem eher ausschliessen, nähert sich die Gruppe heute dem Befreiungsschlag nach Ca- mus. Zweckbefreit statt zweck- los. Also aus Lust an der Freude tun und die Möglichkeit auskos- ten, wenn mal wieder Gelegen- heit dazu ist. Verschwenderisch grosszügig alles geben und da- raus Glück schöpfen, denn wo- anders schlummerts nicht. Das grenzt natürlich an die Tragö- die und evoziert mutmasslich reihum ein Unverständnis. Aber die ewige Leier der Frage ge- genüber Kunstherstellenden, «kannst du davon leben?», fin- det in dieser Weise endlich ih- re finale Antwort: «Nicht davon. Dafür!» Und so rollt pulp.noir alles was sie haben immer und immer wieder denselben Berg hoch und erlangen damit eine unbezifferbare Befreiung. Von Zweck, von Sinn, von Fragen. Es lebe die Kunst. Und ein klein we- nig auch der Existenzialismus…
    «Absurd laut Camus», 12.11., Kunst- raum Walcheturm, Zürich.
    Thierry Frochaux

    Thierry Frochaux

    Dank Google Maps, finden wir den etwas versteckten Kunstraum Walcheturm in einem Innenhof nah am Zürcher Bahnhof.
 Wir gehen rein, bekommen einen Stempel aufgedrückt und gelangen in den Kunstraum. Da gehts dann schnell los. Auf der Bühne steht ein Schlagzeug-Kit, ein Vj-artiges Mischpult (Vj kommt von DJ und befasst sich, anders als nur mit der Musik, mit dem live abmischen von Visuellem), ein Keyboard, ein Mikrofon und ein paar Gitarren mit vielen Effekt-Geräten. Vor uns sind transparente, graue Stoffe aufgehängt, welche verschiedene Sequenzen/Texte drauf projiziert bekommen. So werden zwei Ebenen kreiert: die der Akteure auf der Bühne und die der Projektionen welche zum Teil die Akteure bedecken oder sich mit ihnen vermischen.
    Auf der Bühnen sehen wir eine Slam Poetin (Meret Hottinger), einen Gitarristen (Eric Hunziker), einen Schlagzeug-Spieler (Paul Amereller), ein Keyboard-Spieler (Luzius Schuler) und eine Video-Künstlerin (Julia Maria Morf ) welche die projizierten Film-Sequenzen live steuert und zusammenschneidet
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    Es mischen sich verschiedene Kunstformen in dieser Performance: Musik, Poesie und Video. Es ist ein ziemliches Durcheinander auf der Bühne, die Videosequenzen werden montageartig aneinander oder ineinander gemischt, die Musik klingt mal schräg, mal aus dem Rhythmus und doch dann wieder zusammen. Die Slam Poetin hält das Ganze auf eine Art zusammen. Sie ist die freche, laute Stimme durch dieses Chaos. Sie gibt einen Roten-Faden und trägt den Zuschauer ein stückweit durch die Performance.
    Das Kollektiv pulp.noir spielt mit Camus Zitaten und philosophischen Ansätzen, welche zur Verdeutlichung auch projiziert werden. Es werden verschiedene Versuche unternommen, den Zuschauer in die Absurdität einzuführen.
Es ist anfangs schwer, sich in dieses Kunstchaos zu geben, da es keine explizite narrative Richtung hat. Die Performance hat Aspekte der Aufklärung, der griechischen Mythologie und irgendwie auch etwas des Dadaismus eingewoben. Dieses Durcheinander hat jedoch auch etwas Befreiendes.
    Es gibt Interpretationsraum und die Freiheit, sich selbst etwas dazu auszudenken. Die Texte der Slam-Poetin hatten meistens einen guten Witz und waren bepackt mit viel Ironie und direkten Ansprachen ins Publikum. Die Projektionen sind bizarr, dadaistisch und ironisch und oft sehr gut aufeinander abgemischt und abgestimmt.
Im Grossen und Ganzen war dies ein interessanter uns spannender Abend und die Absurdität kam nicht zu kurz.
    Hat euch die Absurdität neugierig gemacht? Pulp.Noir treten am 
11. Dezember in Baden, am 20. April und 2. Mai in Bern auf!

    Neve Regli